BDSM soll Spaß machen…

Eigentlich wollte ich keinen Artikel in dieser Art „Was ist BDSM“ oder „Was ist BDSM für mich“ schreiben. Dennoch kam ich zu der Meinung, dass es einmal eine gute Idee ist meine grundsätzlichen Gedanken zu dem Thema nieder zu schreiben.

Ich war schon mehrmals in der Situation, dass ich anderen Menschen erklärt habe, was BDSM grundsätzlich oder besser im speziellen, was es in meinen Augen ist. Davon mal abgesehen, dass es immer eine subjektive Meinung ist. Warum aber habe ich das erklären müssen? Nun ja, zum einen weil ich ein offener Mensch bin und gerne über Themen, die mich interessieren, diskutiere und zum anderen weil ich der Meinung bin, dass wir vor allem im Bereich BDSM noch immer eine große Aufklärungsarbeit betreiben müssen. Zwar hat sich schon vieles getan in den letzten Jahren oder auch Jahrzehnten aber immer noch begegnen uns die Menschen mit erhobener Augenbraue, wenn wir offen dazu stehen. Oft ist es aber auch eine Art Rechtfertigungsszene in der wir uns fragen lassen müssen warum wir uns schlagen lassen oder warum wir andere schlagen. Solche Erfahrungen hat bestimmt jeder SM’ler schon mal gehabt, oder?

Inzwischen gehe ich nach meinem „Outing“ – ja ich benutze diesen Begriff ganz bewußt, denn wie uns die Vergangenheit gezeigt hat, ist das ganze immer noch ein Tabu-Thema (s.a. BDSM-Affäre des UN-Waffeninspekteurs Jack McGeorge) – recht offen mit dem Thema um. Ich trage ein Erkennungskennzeichen an meinem Finger und wenn man die Worte richtig zu deuten mag, kann man auch oft die eingängigen Schlagworte oder Anspielungen hören. Dennoch sind meine eigenen Erfahrungen bei meinem „Outing“ unterschiedlich gewesen. Ich würde sagen, dass ich von meinen engen Freunden damals keinen mehr in meinem heutigen Leben habe. Wobei das nur indirekt mit BDSM zu tun hat. Indirekt, weil ich mich durch mein Outing zu mir selbst bekannt habe und dadurch dann auch mehr Selbstvertrauen gewonnen habe. Durch das Selbstvertrauen kam es dann auch zu einem Erstarken der eigenen Persönlichkeit und dies führte dann mehr oder weniger in einige Konflikte, weil man mich auf einmal anders wahrnahm. Aber es war ein wichtiger Schritt in meinem Leben, den ich jederzeit wieder machen würde. Auf der anderen Seite habe ich viele neue und „alte“ neue Freunde gefunden, die mit meinem Selbst klar kommen.

Wenn mich heute jemand auf meinen Ring (Stichwort: Erkennungsmerkmal, zumindest im deutschsprachigen BDSM Raum) anspricht oder das Thema in Richtung BDSM driftet, dann bin ich erst einmal vorsichtig und versuche heraus zu finden ob mein Gesprächspartner offen für eine Diskussion im Bereich Sexualität und Gesellschaftskonventionen ist. Warum das? Nun ja, ganz einfach, obwohl es eigentlich heutzutage kein Thema sein sollte über Sexualität zu sprechen so ist es doch immer noch ein „Schmuddelthema“ das sein Dasein am Rande fristet. Wir sprechen sehr viel offener darüber als die Generationen vor uns aber immer wieder lehrt uns die Realität, dass wir immer noch nicht genug darüber reden. Ziehen wir einmal eine Statistik zu Rate (Statistisches Landesamt Baden-Württemberg). Gesamtzahl der Geburten in Deutschland aus dem Jahr 2014: 714.927. Davon wurden 15.500 von Müttern unter 20 geboren. Das macht Summa Summarum 2,2 %. Also so ca. 2 von 100 Kindern sind von Müttern unter 20. Nun, hier könnte man sagen, dass das ganze dann im Sexualkunde-Unterricht zu behandeln ist (s.a. Sorge vor zu viel Aufklärung). Aber hier ist noch viel zu tun und bevor wir das ganze dann unserer nächsten Generation beibringen, dann sollten wir uns erst einmal selbst an der Nase fassen.

Kurzer Nebeneinwurf, bei meiner Suche nach Referenzen zu diesem kleinen Thema bin ich noch auf die Initiative klicksafe.de gestoßen und dort auf „Let’s talk about Porno“ welche sich mit der Fragestellung „Wie erkläre ich Kindern / Jugendlichen Pornografie“ beschäftigt. Ich fand es bemerkenswert. Eine gute Sache!

Aber verlassen wir dieses Thema einmal und gehen in die Erwachsenenbildung – ähm schauen wir doch mal wie es bei uns Erwachsenen ist. Wenn ich einer Person gegenüber offenbare, dass ich BDSM’ler bin, werde ich immer erst einmal mit hochgehobener Augenbraue gemustert. Ich weiß zwar nicht wie das bei Homosexuellen ist, aber ich denke sie werden mir beipflichten. Ich erkläre erst einmal, warum ich gefallen daran finde jemand anderen zu „schlagen“ (Machtgefälle und Kontrolle, in meinem Fall – mal davon abgesehen, dass ich einen errötenden Frauenhintern toll finde) und mich dann im gleichen Atemzug rechtfertigen muss, dass ich genau das tue. Mal davon abgesehen, dass ich dann auch mehrmals darauf hinweise, dass beide daran Beteiligten gefallen am „schlagen“ und „geschlagen“ werden. Dies muss aber erfahrungsgemäß zig mal erwähnt werden, bis es bei meinem Diskussionspartner im Kopf angekommen ist. Das liegt nicht daran, dass der andere nicht die benötigte Intelligenz mit sich bringt – nein, es liegt daran, dass man sich das ganze einfach nicht vorstellen kann, dass zwei Menschen daran gefallen finden. Deswegen gehe ich in der Diskussion dann meistens den Weg über Bondage. Da wird wenigstens niemand „geschlagen“ sondern nur „gefesselt.“ Warum auch immer das eingängiger und verständlicher für die Diskusionspartner ist, ist die gefesselte Person mir als Fesselnder dann doch ausgeliefert.

Ich erinnere mich lebhaft an eine „Aufklärung“ bei einem Dartspiel. Tags davor hat mich ein Bekannter von einem Unfall aufgelesen. Ich bin mit dem Motorrad irgendwo im nirgendwo (in einem Industriegebiet) runtergefallen und wurde abgeholt. Es wurde natürlich gefragt was ich hier zu suchen hatte. Nach einigen Überlegungen meiner seits und hartnäckig bleiben meines Gegenübers hab ich ihm dann erklärt, dass hier ein spezieller BDSM-Shop ist und ich dort einkaufen war. Nach langem Stillschweigen sind wir dann am nächsten Tag Dart spielen gegangen. Aber das Thema hatte ihn nicht losgelassen und so hat er von sich aus angefangen ob ich denn das auch mache, also dieses BDSM. Da ich Zeit gehabt hatte, mich darauf einzustellen hab ich natürlich mit Ja geantwortet. Alles andere wäre auch eine glatte Lüge gewesen und vor allem unglaubwürdig. Nachdem das dann eingesickert ist, kam nach einem weiteren Glas Whisky dann auch die Frage ob ich das mit meiner Freundin mache. Auch hier war die Antwort ja. Und wieder hat es etwas gedauert und dann kam die Frage ob sie auch auf das steht. Dann begann der Aufklärungsunterricht, vor allem über SSC (s.a. Safe, Sane and Consensual) und so weiter. Wichtige Erkenntnis in diesem Gespräch für mich war, dass auch aufgeschlossene offene Menschen heute ein falsches oder gar kein Bild zu dem Thema BDSM haben. Was aber noch viel schlimmer ist, wenn sie ein Bild davon haben, sich aber noch nicht näher mit dem Thema befasst haben, dann ist es oft ein fehlerhaftes Bild, das durch die verschiedenen gängigen Medien geprägt wurde. Und das Bild der Medien ist definitiv ein Bild, dass mit der Realität oft nichts zu tun hat.

Um mal für die Nicht-SM’ler ein Zitat zur Beruhigung einzuwerfen und um uns SM’ler in einem richtigen Licht darzustellen, folgende kleine Geschichte (entliehen von BDSM – Was ist das eigentlich):

Als sich mal eine Polizeistreife nach der obligatorischen Begrüßung „Hey, schicke Uniform, Jungs!“ nach der Art der Veranstaltung erkundigte und die Beamten hörten, dass es sich um eine große SM-Fete handele, meinte sie „Na, dann müssen wir heute Abend ja sicher nicht wegen einer Schlägerei kommen.“ Sadomasochisten waren für sie schlicht friedfertige, gewaltfreie, vielleicht exotische Menschen, die mit Sicherheit keine Schwierigkeiten machen.

Was also ist BDSM? Wenn man zehn SM’ler fragt was BDSM ist, bekommt man zwanzig verschiedene Antworten. Geht man dann noch auf die einzelnen Bedeutungen der vier einzelnen Buchstaben (Bondage & Discipline – Dominance & Submission – Sadism & Masochism) und die verschiedenen darunter sublimierten Spielarten und Neigungen ein, bekommt man noch mehr Meinungen. Okay, ganz so schlimm ist die Realität nun auch wieder nicht, aber es kommt dem sehr nahe. BDSM ist eine persönliche Sache und jeder hat seine eigene subjektive Sichtweise auf das Thema. Das ist auch gut so, denn nur dadurch entsteht ein Gedankenaustausch. Und wenn man Gedanken miteinander / zwischen einander ausgetauscht werden entsteht so etwas wie ein gemeinsames Verständnis und vor allem ein miteinander.

Wichtig ist, dass BDSM eine Spielart der Sexualität ist. Und Sex ist etwas, das Spaß machen sollte! Mal davon abgesehen, dass er einvernehmlich geschehen muss. Lassen wir das aber erst einmal so stehen.

Meine eigene Geschichte, wie ich zu BDSM kam ist sehr amüsant. Ich erzähle sie immer wieder gerne, vor allem weil sie deutlich macht, dass es Spaß machen sollte und weil es aufzeigt, dass es einvernehmlich und freiwillig geschah. Zumindest von Seiten der Sub aus… Ich danke mal an dieser Stelle, dieser jungen Dame, dass sie etwas in mir gesehen hat, was ich zu dem damaligen Zeitpunkt nicht gesehen habe.

Auf einer monatlichen Veranstaltung, welche nichts mit BDSM zu tun hatte, ist eine junge Dame auf mich aufmerksam geworden. Sie hatte sich dann in den Kopf gesetzt, dass sie mit mir bestimmt Spaß haben würde und dass ich ihren Popo bestimmt auch gut rot erglühen lassen könnte. Wir waren dann mehrmals aus und hatten auch Spaß. Wir kamen auf das Thema BDSM zu sprechen, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich jemals eine Frau schlagen würde. Bis dato hatte ich zwar ein wenig über das Thema BDSM mitbekommen – hey, ich bin schließlich ein Kind aus den Anfangstagen der Verbreitung des Internets (s.a. Rule 34) – aber tiefer hatte ich mich mit dem Thema nicht beschäftigt. Ein kompletter Vanilla-Sex Mensch. Vor allem hatte ich von mir das Bild eines Gentleman und wie könnte denn ein Gentleman Hand an eine Frau legen. Das ging einfach mit meinem Selbstverständnis nicht einher. Das ganze ging komplett gegen meine Erziehung und bisherige Überzeugung. Nun ja, irgendwann war sie dann ein wenig frustriert, so dass sie mich dann eines Abends auf das Sofa setzte, sich auszog und nackt, wie die Götter sie geschaffen haben, über meinen Schoß legte. Die Ansage, die dann kam, war eindeutig und klar. Ich würde erst meinen Genuss haben, wenn ich ihr den hübschen weißen Popo rot geschlagen hätte. Ich war jung, ich war… sie sah wunderbar aus so über meinem Schoß. Was soll ich sagen, wir hatten dann noch eine wunderschöne Nacht und sie zusätzlich einen roten Hintern.

Danach kam dann die Aufräumphase. Sich erst einmal ausführlich mit dem Thema und allem was dazugehört beschäftigen. Es gab einen ausführlichen Gedankenaustausch mit besagter Dame bezüglich dieses Themas. Aber ich hab mich, wie es sich auch gehört, noch an anderer Stelle mit dem Thema befasst. Ganz nach dem Motto: Erst dann wenn man sich informiert, kann man sich auch Gedanken zu einem Thema machen und darüber diskutieren. Also ab und sich durch die unendlichen Weiten des Internets klicken und feststellen dass es viel Shit zu diesem Thema gibt (hat sich inzwischen verbessert, aber immer noch gibt es zu viel Shit). Nun gut, da ich bibliophil bin, also her mit Büchern. Tatsächlich auch welche gefunden (wer nun Literatur-Tips erwartet, dem sei gesagt Geduld ist eine Tugend. Es wird dazu noch andere Beiträge geben). Worauf ich aber hinaus wollte ist folgendes: Das erste was ich über BDSM gelesen habe war folgendes:

BDSM ist eine todernste Angelegenheit – es gibt nichts zu lachen dabei!

Es folgte ein langer Absatz.

Sind wir doch ehrlich, BDSM ist Sex und Sex soll immer Spaß machen. Also vergesst den oberen Absatz gleich mal wieder!

Das ist etwas was sich in meinen Kopf eingebrannt hat.

Nachdem dann das als Gedankengang bei uns angekommen ist, legen wir das nun auf einen Schreibtisch und widmen uns kurz dem Thema Sex an sich. Das Thema ist sehr vielfältig und man kann es aus tausend verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. Ich werde mir aus diesen Punkten zwei raus picken und sie kurz näher betrachten, da sie im Gesamtkontext zu diesem Thema wichtig sind.

Eine, vielleicht etwas schräge Betrachtungsweise lautet: Sex ist Kommunikation. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage, Sex ist die ehrlichste Form von Kommunikation, die man überhaupt betreiben kann (Mastrubation mit eingeschlossen). Eine kurze Suche mit Google führte zum Ergebnis, dass es ca. 707.000 Ergebnisse Treffer dazu gab (s.a. google). Ein wenig sich durch diese ganzen Seiten klicken und man trifft auf verschiedene Themengebiete die mit Sex und Kommunikation zu tun haben. Hauptsächlich aber Kommunikation um Sex. Also nicht genau das was ich mir zusammen gereimt habe. Dann bin ich über einen Sexualpsychologen gestolpert, der ein Buch geschrieben hat. „Himmel auf Erden und Hölle im Kopf: Was Sexualität für uns bedeutet“ heißt das Buch. Dort haben die Autoren sogar diesem Thema ein eigenständiges Kapitel gewidmet, sogar das erste anscheinend (s.a. Interview mit einem der Autoren). Leider kann ich euch noch nicht mehr darüber sagen, wie die Autoren es sehen, aber ich habe verschiedene Interviews gelesen und denke, dass sie und ich von dem gleichen reden. Aber das werde ich euch dann berichten, sobald ich das Buch gelesen habe. Meine Meinung dazu ist, auf jeden Fall, dass es keine ehrlichere Kommunikation geben kann. Wir stehen nackt, wie die Götter uns schuffen, vor dem anderen Menschen und geben somit das Geheimste von uns Preis. Wir erlauben einem anderen Menschen uns so zu sehen wie wir sind, mit allen Makeln und mit allen Dingen die uns an unserem Körper vielleicht nicht gefallen. Dann erlauben wir dem anderen Menschen uns zu berühren und kommunizieren ihm (hoffentlich!) was uns gefällt und was auch nicht. Beschleunigen wir das ganze mal ein wenig. Schlussendlich gestatten wir dem anderen Menschen sich mit uns zu vereinen, nur um dann das Gesicht des anderen bei dessen persönlichen Höhepunkt zu sehen. Und genau das ist ein Moment, in dem wir nicht verleugnen können wer und wie wir sind. Ja, ich weiß, man kann Höhepunkte (geht übrigens auch als Mann) auch vortäuschen, aber auch das ist eine Form der Kommunikation (eine vielleicht unehrliche aber es ist Kommunikation). Also dieser kurze Zeitpunkt des Höhepunkts (kurz zumindest beim Manne) ist also ein Punkt in dem wir zwangsweise ehrlich zum anderen sind. Jetzt mag man mir das folgende hoffentlich verzeihen: Von einem männlichen Standpunkt aus gesehen, finde ich das Gesicht der Frau bei ihrem Höhepunkt sehr faszinierend. Manchmal habe ich sogar den Eindruck man kann auf den Grund der Seele der Frau sehen, sollte sie die Augen offen haben. Den männlichen Gesichtsausdruck dabei mag ich mir aber nicht vorstellen, vor allem meinen eigenen nicht. Aber das muss ich zum Glück ja auch nicht. Lassen wir aber die ganze Romantik mal weg und ziehen das ganze wieder in den dunklen Garten der Lüste (oder auch auf die dunkle Seite, denn wir haben Kuchen!). Im BDSM Kontext ist die Aussage Sex ist Kommunikation noch viel intensiver. Wir betreten einen Bereich in dem wir dem anderen an unseren geheimsten Wünschen und Phantasien teil haben lassen. Wir lassen den anderen Menschen in unseren Kopf hinein und zwar in einen Bereich in dem wir eigentlich alleine Lustwandeln. Man kann dies auch als geheimen Garten der Lüste sehen wie im Buch: Die Kunst der weiblichen Unterwerfung. Dort wird der Bereich Sex in unserem Kopf als ein großer Garten im Stil des Bosch-Triptychon beschrieben (s.a. Garten der Lüste) beschrieben und irgendwo in der Mitte ist dann der geheime Garten oder das Labyrinth welches unsere geheimsten Wünsche beherbergt. Und somit erweitern wir die Kommunikation die wir zu dem anderen Menschen haben. Wir haben nicht „nur“ Sex mit ihm, nein, wir leben zusammen etwas aus, was tief in uns verwurzelt ist. Ich nenne das Kommunikation.

Allerdings muss ich hier etwas eingrenzen. Manchmal müssen wir uns dazu überwinden, den anderen an unseren Phantasien teil haben zu lassen. Ich finde das eine gute Sache, denn wir wägen noch einmal ab, ob wir den anderen in unseren geheimen Garten einladen und ihm somit zeigen, dass er unser Vertrauen hat. Und genau das ist das wichtige Wörtchen in dem Ganzen: Vertrauen. Dazu werde ich noch einen Beitrag schreiben, vor allem weil er mir so wichtig ist. Kurz angerissen ist das Thema Vertrauen zu dem anderen Menschen ein wichtiger Kontext im Bereich BDSM. Ich kann ihn mir eigentlich nicht mehr ohne vorstellen. Als Sub muss man dem anderen Menschen vertrauen, dass er die Grenzen einhält und vor allem, dass er weiß was er tut, und als Top muss man dem Sub vertrauen, dass er mitteilt, wenn die Grenzen nicht weiter ausgelotet werden sollen oder etwas anderes gerade aus dem Ruder läuft. Ich weiß, das ist alles sehr grob und auf einer sehr hohen Flughöhe, aber das soll hier erst einmal reichen. Abgesehen davon, ist das auch wieder Kommunikation und so beißt sich die Ratte in den Schwanz (oder der Drache, mir gefällt der Ouroboros besser).

Wie erkläre ich also einem anderem Menschen BDSM? Kurz zusammen gefasst: Es ist Spaß. Spaß am (einvernehmlichen) Sex. Spaß am Vertrauen des anderen und ganz wichtig, ein Grad an Kommunikation, den man sonst nicht erreicht, denn wir lassen den anderen an einer dunklen Seite von uns teilhaben.

Zum Schluss noch eine sehr schöne Beschreibung, die den Kern des ganzen trifft:

Im Prinzip verhält es sich beim SM nicht anders als beim Kitzeln: „Einer wird ausgekitzelt, was ja nicht nur angenehm ist, kann sich vielleicht nicht wirklich dagegen wehren, der Kitzelnde erfreut sich am Ergebnis, am Winden des Opfers, an den quietschenden Geräuschen. Auskitzeln lässt man sich nur von engen, guten Freunden. Das Opfer hat seinen Spaß, der Täter auch, irgendwo ist alles auch erregend, und wenn der Kitzelnde merkt, dass es zu viel ist, hört er auf. Besser kann man auch eine Züchtigung nicht beschreiben.“

In diesem Sinne, lasst uns kommunizieren und vor allem lasst uns Spaß daran haben!

BDSM & Beziehung

Vor nicht allzu langer Zeit hat man mir einen Satz, vielleicht war es auch ein Nebensatz an den Kopf geknallt, der mich ein wenig alarmiert hat. Okay, alarmiert ist vielleicht das falsche Wort, aber es hat kurz eine Menge in meinem Kopf losgetreten. Der Satz lautete: „Ich muss lernen wie man eine richtige Beziehung führt.“ Ein weiterer Nebensatz auf meine etwas irritierende Antwort lautete: „Du hast mehr Erfahrung als ich.“

In meinen eigenen Gedanken habe ich nicht das „mehr“ an Erfahrungen wie man eine richtige Beziehung führt. Ich habe vielleicht die Erfahrung wie man mehrere Beziehungen führt (also so hintereinander mit mehr oder weniger langen Pausen dazwischen) und vielleicht kann man noch gelten lassen, dass ich verschiedene Beziehungsformen ausprobiert habe, aber eine richtig lange Beziehung? Nein, so was habe ich noch nicht geführt, wobei es dabei auch darauf ankommt, was man als lange Beziehung versteht. Ich zumindest verstehe nicht darunter, dass man maximal zwei Jahre zusammen geblieben ist. Dennoch habe ich einen Erfahrungsschatz zu dem Thema Beziehungen und vor allem zu der Kombination mit BDSM sammeln können.  Mal davon abgesehen, dass ich mir schon einige Gedanken zu diesem kombinierten Thema gemacht habe.

Mein ganz persönliches Danke gehört den Menschen, die sich mit mir über das Thema unterhalten haben. Ein wenig herausheben möchte ich ein befreundetes Pärchen. Der weibliche Part hat mit mir schon lange über dieses Thema immer mal wieder geredet und dem männlichen Part, dem mein Respekt gebührt, möchte ich danken, da er mir verdammt gute Gedankengänge zu dem Thema aufgezeigt hat.

Ursprünglich hatte ich das ganze Thema in drei Gebiete aufgeteilt: einen kleinen Exkurs zur Bedürfnisspyramide, dann die verschiedenen Beziehungsformen an sich um dann zu dem Thema BDSM zu kommen. Da sich das ganze mit der Bedürfnisspyramide aber immer weiter ausgebaut hat, habe ich das in einen eigenen Artikel ausgelagert, auch wenn ich hart mit dem anderen hier tätigen Autor darüber diskutiert habe. Aber er hatte Recht. Also, würde ich euch bitten, diesen Artikel zuerst zu lesen und dann hier weiter zu lesen. Es könnte sein, dass ich mich auf die Bedürfnisspyramide beziehe, aber hey, wer bin ich dass ich dem vielleicht ungeduldigen Leser einen Tip gebe.

Dann wenden wir uns mal dem Thema Beziehungen zu. Es gibt viele Formen einer partnerschaftlichen Beziehung, viel zu viele um auf alle in diesem Artikel eingehen zu können. Vor allem wenn wir uns dieses interessante Bild einmal anschauen. Auch wenn dieses Bild „Alternativen zur Monogamie“ lautet, so wollen wir diese nicht ausschließen. Aber bevor ich mich über die verschiedenen Beziehungsformen auslasse, so möchte ich euch auf einen Artikel einer anderen Seite aufmerksam machen. Der Autor hat vieles was ich dazu sagen könnte hervorragend ausgeführt, dementsprechend sei hier darauf verwiesen: „Welche Beziehungsform passt zu mir Teil 1 & Teil 2.“

Nachdem ihr dann auch diesen Artikel fertig gelesen habt, hoffe ich, dass ihr immer noch Puste und Laune habt hier weiter zu lesen. Natürlich hab ich auch noch ein paar Anmerkungen zu einigen Beziehungsformen in denen ich bisher gelebt habe.

Monogamie: Die gängigste Form einer Beziehung in unserer Gesellschaft. Historisch gewachsen und in unserer patriarchalischen und Kultur tief verwurzelt (sag ich jetzt so schnell, aber dazu schreibe ich auch noch was). Man kann sie auch als Standard-Beziehung bezeichnen. Zwei Menschen finden zueinander und gründen dann ihren eigenen kleinen Stamm, welcher dann auch meistens zur Fortpflanzung genutzt wird. Ich weiß, die Ansagen sind gerade etwas provokant und negativ behaftet. Allerdings ist meine Meinung zu diesem Thema sehr divergent. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und habe vermutlich deswegen eine etwas verquere Meinung zu dieser Beziehungsform, aber man kann sagen, dass dies immer wieder eine Beziehungsform ist in der ich lande. Und auch glücklich darin lande!!! Das wichtigste für mich, das betrifft allerdings alle Beziehungsformen, ist, dass jede Beziehung immer anders ist. Sie wird dadurch definiert, was die einzelnen Menschen, also Beteiligten, daraus machen. Eine Beziehung, vor allem die monogame, basiert auf Vertrauen darauf, dass man sich an die „Absprachen“ ob tatsächlich ausgesprochen oder nur indirekt impliziert hält (wobei ausgesprochen immer das bessere ist, denn indirekt implizierte Absprachen führen immer dazu, dass es Enttäuschungen gibt).

Freundschaft Plus: Eine Beziehungsform, welche ich mehrfach gelebt habe oder noch lebe. Es ist relativ angenehm, wenn man eine Vertrauensperson hat mit der man Zeit verbringen kann. Wenn es dann noch dazu kommt, dass man Sex miteinander hat, siehe auch ehrliche Kommunikation, dann vertieft das die Freundschaft nur. Nun möchte ich nicht sagen, dass man mit allen seinen Freunden Sex haben sollte (wobei… Entschuldigung, der Teufel in mir). Meiner Erfahrung nach, hebt das ganze die Freundschaft auf eine andere Ebene, weil man sich eben auch anders kennen gelernt hat. Allerdings funktioniert das nicht immer so einwandfrei. Immer dann wenn einer der Beteiligten, eine Grenze im Sinne der vereinbarten Beziehungsform überschreitet, führt dies zu Komplikationen. Nicht desto trotz, so lange beide sich an die Absprachen halten und ein gegenseitiger Respekt vorhanden ist kann dies über Jahre hinweg zu einer guten Beziehung führen.

Offene Beziehung: Eine offene Beziehung ist eine schwere Sache. Während man von einer Freundschaft+ spricht, wenn beide keine anderen Beziehungen oder nur andere Freundschaft Plus Beziehungen haben, spricht man von einer offenen Beziehung, wenn man eigentlich in einer partnerschaftlichen Beziehung lebt, sich aber die Freiheit heraus nimmt noch andere Sexualpartner zu haben. Ich habe einige offenen Beziehungen kennen gelernt, war sogar selbst in mehreren, aber ich finde diese Art von Beziehung als eine der schwierigeren. Vor allem erfordert es viel Toleranz von beiden Seiten. Es ist eines, seinem Partner zu erlauben, stillschweigend oder aktiv, mit jemandem anderen Sex zu haben, aber es dann auch noch akzeptieren und gegebenenfalls auf lange Zeit damit Leben ist eine andere Sache. Ich habe schon viele Beziehungen erlebt, die angeblich offen sind. Oft war die Frau der Anlassgeber oder Vorschlaggeber für eine offene Beziehung. Der Partner akzeptierte stillschweigend, wenn es dann aber dazu kam, brach die Hölle über die Beziehung ein. Erfahrungsgemäß würde ich sagen, dass die Männer unserer schönen modernen Gesellschaft immer noch nicht vom Besitzdenken eines Raubritters entfernt haben. Diese Frau ist mein und ich teile sie nicht. Öhm – stop mal, sie will eine offene Beziehung. Hum, wenn ich da nun nicht mitspiele, dann verschwindet sie – dann lieber mal nichts sagen oder ja sagen. Schlussendlich passiert irgendwann das Unvermeidliche und schwupp die wupp, die angesprochene Hölle. Aber ich fasse mich mal an die eigene Nase. Ich habe einer meiner Partnerinnen auch erlaubt, Sex mit einer Frau zu haben wenn ich dabei anwesend bin, man siehe schon einmal die zwei Eingrenzung, wohlwissend, dass es nie dazu kommen wird. Also habe ich nur „pro forma“ in einer offenen (eingeschränkten) Beziehung gelebt. War das nun eine offene Beziehung? Nein, war es nicht. Der wichtige Punkt hierbei ist wieder einmal das Vertrauen. Vertraue ich dem Partner soweit, dass ich ihn machen lasse was er möchte und weiß ich dann danach noch, dass er mich liebt? Schwierige Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Auch ein Punkt ist, leider ein sehr männlicher, was kann der andere Partner besser als ich? Eine überholte männliche Eigentumssicht auf den jeweiligen Partner. Zugegebenermaßen bin ich davor auch nicht gefeit, aber ich bin mir zumindest dessen bewußt. Darüber hinaus gibt es auch noch die klischeehaft weibliche Sichtweise. Sie läßt sich im groben mit dem folgenden Satz beschreiben: „Was hat sie, was ich nicht habe?“ Das ist ehrlich gesagt sehr verallgemeinert, aber im Großteil der Fälle läßt sich dies auf diese Sätze reduzieren. Und offene Beziehungen zerbrechen oft genau an einem dieser Punkte. Wobei es meistens der falsch verstandenen Männlichkeit, provokanter ausgedrückt dem falsch verstandenen männlichen Besitzanspruch, zu verdanken ist. Ich weiß nicht ob es tatsächlich so ist, aber ich denke, dass Frauen da besser unterscheiden können wen sie Lieben und mit wem sie Sex haben. Vermutlich liegt es aber auch daran, dass Frauen diesen besitzergreifenden Anspruch nicht haben. Aus meinem Erfahrungsschatz heraus sind die meisten offenen Beziehungen nur auf dem Papier existent bzw. führen zu Problemen, sobald es zu dem Punkt „Seitensprung“ kommt, denn so wird das meistens von dem anderen Partner aufgefasst, vor allem wenn der andere Partner sich seiner eigenen Beziehung nicht sicher ist. Wobei ich auch funktionierende Offene Beziehungen kenne. Mein bester Freund führt eine sehr gut funktionierende. Also es ist nicht alles schlecht was ich so erlebe.

Triade / Ménage-à-trois: Auch eine Beziehungsform, welche ich aus eigener Erfahrung heraus kenne. Einfach gesprochen, gibt es einen Center und zwei Wings. Auf der Seite von Deviante Pfade wurde diese Beziehungsform gut dargestellt. Die Art der Beziehungsformen verlangt Arbeit und Kommunikation von allen. Es verlangt von allen Beteiligten ein hohes Maß an Toleranz und Respekt, damit diese Art der Beziehung funktionieren kann, vor allem, da diese Beziehung nicht nur eine offene Beziehung ist, in dem Sinne, dass es dem Center gestattet ist sich mit beiden Wings zu paaren, sondern dass man dem Center auch zugesteht, dass er beide Wings gleichzeitig lieben kann. Hier verzweigt das ganze dann in eine Art polyamoröse Beziehung. Ich glaube, es ist ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung, der dazu in der Lage ist und jeder der dies kann hat meinen tiefen Respekt.

Als Schlusswort zu dem Thema Beziehungsformen ist wohl noch zu sagen, dass es immer eine individuelle Sache der jeweils Beteiligten ist, welche Art der Beziehungen sie eingehen. Wichtig ist, dass man – egal welche Beziehungsform man hat – ehrlich miteinander kommuniziert. Das mag an der einen oder anderen Stelle schmerzen und weh tun ist aber tatsächlich der einzig richtige Weg. Und man sollte sich im Klaren darüber sein, welche Absprachen es in einer Beziehung gibt. Vor allem ist es aber auch wichtig, dass man sich klar macht, dass diese Absprachen dann auch eintreffen werden. Es ist nichts tödlicher als einer Illusion aufzusitzen – vor allem wenn die Illusion stillschweigend zwischen allen Beteiligten gedeihen kann. Irgendwann kommt es immer dazu, dass die Realität die Illusion durchbricht.

Kommen wir nun zu dem Bereich BDSM. Erst mal vorweg, BDSM ist keine Beziehungsform, sondern ein Teil der Sexualität. Es gibt natürlich aus dem Bereich heraus verschiedene Möglichkeiten eine Beziehung zu führen und BDSM zu leben, aber schlussendlich ist dies keine Beziehungsform. Es definiert nur, wie man eine Spielart der Sexualität auslebt. Dennoch, man trifft oft, wenn man ein bisschen nachforscht über BDSM und Beziehung an zwei große Strömungen. An einem Ende steht die sogenannte Beziehung in der gespielt wird und am anderen Ende steht das 24/7 oder auch TPE (Total Power Exchange) genannt. Es wurde schon viel über die beiden Möglichkeiten geschrieben und ich gehe nun nicht hin die Vorzüge der einen oder der anderen Form der Auslebens von BDSM dahingehend zu kommentieren, aber ich bin Verfechter einer der beiden Richtungen.

Dazu eine kleine Geschichte. Vor einiger Zeit bin ich bei meinem besten Freund gesessen und habe mich fürchterlich über einen Artikel aufgeregt. In diesem Artikel, den ich hier nicht wiedergebe, hat sich eine BDSM Autorin sehr eindeutig dafür ausgesprochen, dass sie in einer 24/7 Beziehung lebt und wie aufregend und ausfüllend das doch ist, sämtliche Verantwortung über ihr Handeln und Tun abzugeben. Es waren sehr blumige Worte die sie gefunden hat, diese Art und Weise zu leben zu beschreiben. In mir haben sich relativ schnell große Aggressionen gegen diese Art der Beschreibung wiedergefunden. Vor allem, wie kann sie von einem selbstbewußten und selbstständigen Leben schreiben, dass sie dann doch führt, gibt sie doch ihrem Interview nach sämtliche Verantwortung ab und ist ihrem Dom zu jeder Zeit „ausgeliefert.“ Eine kleine Recherche später, hab ich dann noch ein zweites Interview gefunden. In diesem Interview schreibt sie dann, dass sie mit ihrem Top nicht zusammen lebt, sie ihr eigenes Leben führt und sie sich immer mal wieder sehen, wenn sie Lust darauf haben. Also doch keine 24/7 Beziehung, oder? Also war das erste Interview hauptsächlich für Marketingzwecke ihres Buches. Ich war wieder etwas friedlicher und hab mir dann Gedanken dazu gemacht.

Kann es denn überhaupt eine funktionierende 24/7 Beziehung geben? Kann es einen Total Power Exchange geben? Meiner Meinung nach nicht. Es ist eine idealisierte Form einer Beziehungsmöglichkeit. Eine komplette Übergabe sämtlicher Verantwortung an eine andere Person ist nichts anderes als Sklaverei. Hier kommt es zu einem Konsens-Problem. Die Einvernehmlichkeit, auf die wir uns schon einmal geeinigt haben, geht flöten. Was ich schon eher als eine Möglichkeit sehe ist der sogenannte EPE (Erotic Power Exchange). Hier wird also in einem festen Rahmen, nämlich der Erotik und damit das eigentliche Geschehen des Aktes, ganz bewußt fest definierte Rollen.

So, ich hoffe ihr habt bis hier her durchgehalten und folgt nun meiner Schlussfolgerung aus den ganzen bisherigen Worten heraus.

BDSM ist eine Ausprägung des eigenen Sexualität, das heißt es hat also Auswirkungen auf mein Sein sowie auf mein eigenes Leben. Die Frage ist, welchen Bereich ordne ich BDSM in meiner eigenen persönlichen Bedürfnispyramide ein. Ist es ein Bereich meiner Sexualität auf den ich verzichten kann, dann ist er auf der Pyramide weiter oben eingereiht, oder ist es ein grundlegender Teil meiner Sexualität, dann ist er weiter unten eingereiht. Davon abhängig, ist man dann bereit eher darauf zu verzichten oder nicht. Irgendwie zwingt sich dann aber die Frage auf, wenn ich BDSM weiter oben in die Bedürfnisspyramide einordne, bin ich dann ein SM’ler? Schwierige Frage – bestimmt eine schwierige Antwort. Meine persönliche lautet: Nein, bin ich dann nicht. Wenn ich BDSM als Teil meiner eigenen sexuellen Identität ansehe, dann gehört sie zu meiner Persönlichkeit und ist somit auf der untersten Stufe, da es keine Trennung zwischen Sex und der Spielart BDSM gibt. Aber, wenn wir in uns selbst hören und BDSM als Spielart unseres Sex akzeptieren, dann wollen wir sie auch ausleben. Wir sind in der Lage auch ohne BDSM guten Sex zu haben, aber eben nicht auf Dauer! Kein SM’ler wird dauerhaft darauf verzichten, oder? Also unterste Stufe der Pyramide!

Gut, nachdem wir das geklärt haben, schauen wir BDSM und die einzelnen Beziehungsformen uns an. Und da gibt es keinen Zusammenhang. Interessant, nicht wahr? Es ist egal in welcher Beziehungsform wir leben, BDSM hat darauf keinen Einfluss. Nun ja, nicht ganz wahr. Aber das dachtet ihr euch bestimmt schon, die kleine Auswirkung die es hat, ist die sexuelle Erfüllung. Wir streben in einer Partnerschaft immer danach, dass sie erfüllt ist mit dem was wir uns wünschen. Wir nehmen immer einige Dinge in Kauf, die nicht optimal laufen oder wo wir Kompromisse eingehen, allerdings müssen wir uns ins Gedächtnis rufen, dass bei einem SM’ler BDSM zur sexuellen freien Entfaltung gehört – also zur untersten Stufe. Was passiert also, wenn wir uns in eine Beziehung geben in der wir diese Erfüllung nicht haben? Nun ja, das unterste Stockwerk bröckelt und siehe da, wir haben die schiefe Pyramide von…

Was ist also der kleine Unterschied zwischen den einzelnen Beziehungsformen in Bezug auf BDSM? Hier geht es um geschlossene versus offene Beziehung. Nun, der liegt darin ob ich erfüllenden Sex haben kann oder nicht. Wenn der oder alle Partner einen sexuell nicht erfüllen können oder nur einen Teil davon erfüllen können, dann gibt es keine Möglichkeit mehr dieses zu richten. Wobei es bei Beziehungen zwischen Mehreren oder in einer offenen Beziehung dann den „Ausweg“ gibt, seine sexuelle Identität mit einem anderen aus zu leben. Wichtig hierbei ist die Trennung zwischen, sagen wir der partnerschaftlichen Liebe zu einer Person oder mehreren Personen um mit dieser / diesen seinen Lebensweg zu beschreiten und der Sexualität, bzw. der Freiheit die Sexualität auszuleben, auf der anderen Seite. Was die monogame Beziehung angeht, so kenne ich keine Beziehung in der es einen SM’ler gibt, welcher seiner sexuellen Ausrichtung einen grundlegenden Charakter beimisst, und einen nicht-SM’ler. Meistens kann der nicht-BDSM’ler die Bedürfnisse des anderen Partners gar nicht verstehen oder nachvollziehen. Hier sei wieder auf die schon oben genannten Illusionen verwiesen.

Unterm Strich lässt sich also wieder einmal sagen, dass Kommunikation das wichtigste ist (Entschuldigung, der musste sein). Ehrlichkeit ist dann die wichtigste Komponente der Kommunikation! Denn Ehrlichkeit und vor allem das offen Ansprechen und Aussprechen der eigenen Bedürfnissen, zu sich selbst und zu dem/den Partner/n ist das wichtigste. Das schützt uns vor Illusionen und somit vor Enttäuschungen.

Der andere und wichtigste Punkt ist allerdings, dass sich jede Beziehung von der Beziehung davor und der danach unterscheiden. Sie ist immer eine individuelle Sache der Beteiligten und der Absprachen, die sie miteinander treffen.

Und abschließen möchte ich das mit einem Zitat aus einem Lied:

Doch zurück zum Thema, es geht um Mann und Frau
um die Beziehung der Geschlechter und um den G.V.
Um alles was sie immer schon hierüber wissen wollten
und um alles was sie besser nicht hierüber fragen sollten
Es geht hier um ein Thema, das jeden interessiert
Es macht das Leben angenehm und irre kompliziert
Ich kann es nicht verleugnen und ich will es nicht bestreiten
es geht hier um den Austausch von Körperflüssigkeiten

Refrain:
Gib mir Deinen Saft, ich geb Dir meinen
Ich geb Dir meinen Saft, gib Du mir Deinen
Gib mir Deinen Saft

~ Saft von Die Fantastischen Vier

Der (maslovsche) SM’ler

Manchmal muss man Dinge einfach trennen, denn Sie sind es Wert, dass man sie ausführlicher behandelt. So ist es dann auch beim Schreiben des Artikels BDSM & Beziehung (wird später veröffentlicht) geschehen. Dort habe ich angefangen, die nachfolgenden Gedanken zu entwickeln. Durch Diskussion mit anderen, vor allem dem anderen Autor hier, habe ich mich dann entschlossen, diese beiden Themen etwas zu entzerren.

Darüber hinaus kann ich dann gleich meine Gedanken zu einem anderen aber verwandten Thema hier reinpacken. Immer wieder gibt es die Diskussion „Was ist denn ein wahrer SM’ler?“. Es sei mal gesagt, dass die Antwort darauf lautet, dass es den wahren SM’ler nicht gibt. Wie ich darauf komme? Nun ja, dann lest einfach mal weiter.

Auf der Recherche und Gedankensortierung für das Thema BDSM & Beziehung, habe ich mich mit einigen Leuten ausgetauscht. Es ist vielleicht kein repräsentativer Querschnitt über die Gesellschaft aber ich denke es läßt sich dennoch einiges aus den Aussagen heraus nehmen. Bei einem Thema bin ich dann aber sehr hellhörig geworden. Es ging um die Fragestellung ob man und unter welchen Umständen man auf Sex verzichten könnte. (die Danksagung an den Fragesteller dieser wichtigen Frage kommt an anderer Stelle). Tja, eine gute Frage, oder? Für mich lautete die Antwort sofort: Natürlich gar nicht. Im folgenden Gespräch wurde dann das Wort Sex durch BDSM ersetzt. Wie lautet die Antwort dann? Ich musste mir eingestehen, dass ich eine mögliche Situation im Kopf hatte, wo die Antwort dann Ja lauten würde. Aber ich fühlte mich nicht ganz wohl damit, also hab ich mich näher damit beschäftigt und bin dann mal wieder bei einer alten Geschichte gelandet.

nach Maslow
nach Maslow

Die Bedürfnisspyramide (s.a. Grundlegendes und ein wenig mehr) nach Abraham Maslow (Psychologe, *01.04.1908 – †08.06.1970) hat mich also wieder eingeholt. In der Volkswirtschaftslehre auf dem Wirtschaftsgymnasium und in meinem Studium haben wir die Bedürfnispyramide mehrmals durchgenommen. Sie geht prinzipiell davon aus, dass der Mensch immer nach Höherem strebt in seinem Tun und Sein. Allerdings muss immer ein bestimmtes Level der Stufenpyramide erfüllt sein, damit man sich an den weiteren Aufstieg machen kann. Also zuerst die physiologischen Bedürfnisse oder auch Grundbedürfnisse, wie Essen, Trinken usw. aber auch der Sex an sich. Danach folgt das Sicherheitsbedürfnis, das erst einmal erfüllt sein muss, damit wir so etwas wie soziale Bedürfnisse entwickeln können. Grob gesagt, das Dach über dem Kopf. Danach kommt es zur Entwicklung der sozialen Bedürfnissen, also das was wir dann erleben wenn wir in Kontakt mit dem Rest der menschlichen Rasse kommen (wir haben davor auch schon Kontakt zu anderen Menschen, aber da sind wir dann noch an dem Punkt, dass wir zuerst die grundlegenden Dinge der unteren Stufen befriedigen müssen). Darauf aufbauend kommt dann das Ich-Bedürfniss. Unabhängigkeit, Freiheit aber auch Macht und Anerkennung können darunter sublimiert werden. Als Spitze der Pyramide kann man dann die Selbstverwirklichung sehen. Wobei selbst Maslow erkannt hat, das diese Selbstverwirklichung nicht eindeutig definierbar ist, da sie höchst subjektiv von dem jeweiligen Individuum geprägt ist. Aber wie das mit Pyramiden mal so ist, wenn der Untergrund nicht stabil gebaut ist, dann kann die Spitze auch nicht halten. Das will nichts anderes heißen, als dass jedes Level der Pyramide gut, stabil und nachhaltig gebaut sein muss, damit das darauf aufbauende Level auch errichtet werden kann. Das ist eine wichtige Erkenntnis, wenn man das mal sacken läßt. Noch als kleine Anmerkung am Rande, die Bedürfnispyramide gibt es in den unterschiedlichen Ausprägungen und Einteilungen, unterm Strich sind das dann aber Feinheiten.

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Interessant bei dem Wieder einlesen in das Thema war für mich die Einordnung der Sexualität als ein Grundbedürfnis. Es war nicht überraschend, ich hätte sie dort eingeordnet, aber anscheinend hatte ich das damals aus dem Kopf gestrichen oder man hat es im Zuge der BWL Lehre einfach als nicht existent angesehen. Wie dem auch sei, Sex oder Sexualität ist ein Grundbedürfnis. Biologisch oder evolutionär gesehen ist das ja auch richtig. Der Mensch an sich muss schlafen, essen, trinken und eben auch Sex haben. Sex ist in uns verankert, denn er sichert den Fortbestand der menschlichen Rasse und somit unseren Bestand auf dieser Welt. Nun könnte man sagen, wir leben in einem Zeitalter in dem Sex nicht mehr dem Fortbestand unserer Art gewährleisten soll, denn wir haben ja Möglichkeiten zu verhindern, dass wir während des Aktes Kinder zeugen, sondern dass Sex einem „höheren“ Gut, also auch einer höheren Stufe eingeordnet werden kann. Denen sage ich, ja ihr habt Recht, aber… nur dadurch, dass wir die Kontrolle darüber haben, wann wir versuchen Nachkommen zu zeugen und dass wir dadurch mehr Spaß an der ganzen Sache haben können, heißt noch nicht, dass wir das Thema Sexualität auf eine andere Stufe der Pyramide heben können. Es heißt nur, dass wir die Wahl haben es auf die eine oder auf die andere Weise aus zu leben. Will heißen, dass wir die Möglichkeit haben mehr Sex zu haben ohne dass wir danach in eine Art Abhängigkeits- & Verantwortungsverhältnis zu Anderen zu kommen. Gerade deswegen würde ich in unserer Gesellschaft Sex als Grundbedürfnis mehr als jemals zuvor sehen. Wir benötigen es als Teil unserer Selbstverständnisses und als Mittel der Kommunikation auf den höheren Stufen (ja, ich weiß, das Mittel der Kommunikation ist dann vermutlich auf eine Person oder auf einen engen Personenkreis beschränkt).

Darüber hinaus kann man die Einordnung auf der untersten Stufe auch ganz einfach durch folgendes Beispiel erklären. Wer von uns würde denn seinen eigenen Chef betrügen? Also mit einem Punkt, der definitiv gegen unser Sicherheitsbedürfnis geht, sprich wir nehmen in Kauf dass wir hinaus geworfen werden? Ja, dachte ich mir, sind wenige, die das tun würden. Aber habt ihr euch mal gefragt, wieviele Menschen denn so fremdgehen? Nach einer Studie sind 32% alle Männer und 44% aller Frauen schon einmal fremd gegangen. Einer anderen Studie nach gehen 55% der Männer und 49% der Frauen fremd. Ob die Zahl so stimmt, sei mal dahin gestellt, da gibt es bestimmt Ausschläge in allen Richtungen, wichtig ist aber, dass wir für Sex oder aber die Aussicht auf Sex vieles in Kauf nehmen würden, auch den „Rausschmiss“ aus der eigenen Partnerschaft, sollten wir hier ein unerfülltes Bedürfnis feststellen. Nicht umsonst wurden für guten Sex auch schon Kriege angefangen. Ihr glaubt mir nicht? Dann fragt euch mal ob Paris die schöne Helena wirklich nur wegen einem romantischen Gefühl mit nach Troja genommen habt. Ihr könnt das ja mal nachlesen. Ich glaube, die beiden hatten echt phantastischen bunten Sex!

In Bezug auf die Einordnung der Sexualität auf der Bedürfnispyramide stellt sich also die Frage: Ist man bereit auf Sex zu verzichten? Wer unsere Eingangsseite aufmerksam gelesen hat wird meine persönliche Meinung dazu kennen (hier der Link nochmals, wenn man unsere Seite verlassen möchte). Auf Sex an sich wird der Mensch nicht verzichten können. Allerdings wird man unter Umständen / gegebenenfalls / eventuell auf eine bestimmte Spielart des Sex oder temporär gänzlich auf Sex verzichten können. Man sieht an den Einschränkungen schon eine Tendenz worin das ganze dann gipfeln wird, wenn wir uns dem Thema BDSM zuwenden werden. Aber um die Frage allgemein zu beantworten, man wird nicht dauerhaft darauf verzichten. Sex ist Teil unserer Grundbedürfnisse und wenn dieses nicht gestillt wird, dann wackelt die Pyramide und bricht schlussendlich zusammen. Ich sehe aber ein, dass man temporär auf Sex oder auf Spielarten verzichten kann. Bei den Spielarten ist dies eine ganz interessante Fragestellung. Vor allem wenn wir die Bedürfnisspyramide mal ein wenig sexualisieren. Interessant auf was für Gedankenspiele man so kommt.

Maslovsche Sexpyramide

Auf der untersten Stufe hätten wir das Lebenswichtige. In unserem Fall also die körperliche Reaktion und die physische und psychische Erregung. Das ist das was wir beim Sex doch suchen. Wir wollen eine körperliche Reaktion erleben, wollen eine Erregung fühlen. Kennt ihr das ehrlichste Kompliment, das der Mann einer Frau (oder natürlich auch einem anderen Mann gegenüber) machen kann? Wenn ihr nun gedacht hab, das ist die Erektion, dann lagt ihr richtig. Das ist eine körperliche Reaktion, die wir gar nicht oder nur schwer kontrollieren können. Wie schaut es aber mit der physischen Erregung aus? Nichts simpler als das. Macht die Augen zu und stellt euch den Menschen vor, der euch im Augenblick sexuell am nächsten ist. Und dann stellt euch vor ihr seht in seinen Augen die Begierde / das Begehren auf euch. Nun? Hat es euch ein wenig elektrisiert? Also mich schon, dann würde ich mal sagen, dass ihr wisst wovon ich rede.

Ist diese Stufe einmal vorhanden, dann gehen wir mal einen Schritt weiter nach oben. Was soll ich dazu noch sagen? Sexuelle Selbstbestimmung sagt doch schon alles aus. Kein Sex gegen den eigenen Willen. Dementsprechend spare ich mir hier weitere Worte und Erklärungen.

Auf dieser Ebene stellt Maslov die Dazugehörigkeit. In unserem Fall heißt dies nichts anderes als dass man sich selbst als sexuelles Objekt und Subjekt wahrnimmt. Wobei dies auch durch andere erfolgen kann. Dadurch, dass  der Partner einen als sexuelles Wesen wahrnimmt, schafft sich ein ganz anderes Zusammengehörigkeitsgefühl. Es entsteht so etwas wie ein Miteinander in dem ganzen Bettgeschichte.

Dass man den Geschlechtspartner als sexuelles Geschöpf wahrnimmt ist die Grundvorraussetzung für den nun kommenden Aspekt: die Anerkennung. Hier begegnen uns dann Zuneigung durch physische oder psychische Begegnungen / Berührungen. Dies will nichts anderes heißen, als dass die Beteiligten sich gegenseitig als Partner in Betracht ziehen. Der andere wird nicht nur als sexuell handelnde Person wahr genommen, sondern es wird daraus eine Person mit der man Sex haben will.

Wenn die Anerkennung erfolgt, können wir nach der Spitze streben. Und die Spitze der Pyramide ist dann die Bestätigung des sexuelle Selbstbildnis durch sich oder durch andere. Jeder von uns hat ein Bild von sich als sexuelles Wesen im Kopf, eine Idee wie man sich präsentieren möchte. Wenn man dieses Bild dann bestätigt bekommt, findet man Erfüllung in der Gesamtheit seiner sexuellen Identität.

Machen wir das einmal an einem Beispiel fest, dann wird es vielleicht klarer was ich meine.

Wenn man masturbiert will man eine körperliche Reaktion haben. Dazu benötigt man eine irgendwie geartete physische Erregung und wird am besten durch die psychische Unterstützt. Also am besten Hand anlegen und sich was vorstellen oder das Internet nach Medien durchstöbern. Geschieht es gegen meinen Willen? Definitiv nicht, alles andere wäre komisch. Nehme ich mich in diesem Augenblick als sexuelles Objekt wahr? Oh ja! Habe ich Zuneigung? Nun ja, meine Hand sagt mir definitiv dass ich was in der Hand halte. Erreiche ich dann auch die Spitze? Na ich hoffe doch, dass man nach dem masturbieren sich selbst bestätigt hat. Übrigens, wenn ihr Euch mal auf die Suche nach den Begriffen Masturbation und Gesundheit macht (die noch interessanten Treffer sind so was wie hier und hier), lasst euch gesagt sein, macht es nicht, es sei denn ihr könnt mit Treffern wie folgendem umgehen: Penisverletzung durch Masturbation mit Staubsauger.

Wem die Onanie, nach dem kurzen Google-Ausflug, immer noch zu abstrakt war oder am Thema vorbei, nehmen wir doch gleich mal BDSM mit auf. Auf der unteren Ebene steht immer noch die körperliche oder auch geistige Erfüllung. Für geistige Erfüllung  ziehe ich gerne das Betrachten eines Rope Bunnies am Ende einer Bondage-Session als Beispiel heran. In dem Punkt der sexuellen Selbstbestimmung haben wir dann die Konsensgeschichte, sprich safe, sane & consensual. Darüber kommt dann die Wahrnehmung von sich selbst als sexuelles Wesen. In diesem Fall als Spielpartner in einer SM Situation. Aufbauend darauf folgt dann die Anerkennung des jeweils anderen als Komplementär und somit dann die Bestätigung durch die Züchtigung oder sonstigen Handlungen. Auf der Spitze der Pyramide würde dann in meinem Fall stehen, dass ich durch meinen Partner als dominanter Gentleman bestätigt werde.

Beim durchdenken der ganzen Geschichte ist mir dann eine Geschichte wieder eingefallen, die einen Teil des ganzen auch gut beschreibt. Man hat mir einmal, nach einer Session zu dritt, ein Lob ausgesprochen. Der andere männliche Part, mit dem ich zusammen eine Frau bespielt habe, meinte nach einer Züchtigung, dass er es phantastisch findet, dass ich während der Züchtigung immer mal wieder zu der gefesselten jungen Dame gegangen bin um sie zu umarmen und zu prüfen wie es ihr geht. Ich war damals verwundert aber habe es akzeptiert. Schauen wir damit mal auf die Pyramide. Dadurch, dass ich mich immer wieder nach ihrem Wohlsein erkundet habe, habe ich die zweite Stufe immer wieder befriedigt: das Sicherheitsbedürfnis. Darüber hinaus habe ich ihr somit auch weiterhin das Gefühl des Miteinanders gegeben, so wie die zweitoberste Stufe aufgezeigt: Anerkennung.

So, ich hoffe ihr konntet mal dieser etwas anderen Maslovschen Bedürfnispyramide und meinen damit verbunden Ideen folgen. Wenn ihr mich aber nun fragt, sind wir endlich fertig mit dem Maslov, dann muss ich euch leider sagen, noch nicht ganz. Zwar konntet ihr einem der Beispiele möglicherweise entnehmen wo ich BDSM einordne, muss das nicht für alle gelten. Ein jeder kann für sich BDSM dort einordnen wo er möchte. Es hat somit für jeden eine unterschiedliche Bedeutung und Auswirkung. Es läßt sich jedoch sagen, dass je tiefer man BDSM in der Pyramide ansiedelt, desto tiefer ist es in der eigenen Persönlichkeit verwurzelt und somit dann auch Teil der sexuellen Identität. Je höher man es einordnet, desto eher würde man darauf verzichten können, denn die grundlegenden Bedürfnisse werden ja erfüllt. Wenn man dann also zu der Frage am Anfang kommt, könnte man die Aussage treffen, dass derjenige ein „wahrer“ SM’ler ist, der es weiter unten ansiedelt, denn er kann nicht darauf verzichten.

Soviel zur Maslovschen Pyramide. Wir machen nun einen kurzen Schwenker zu dem Gebiet der medizinischen Einordnung von BDSM (s.a. Medizinische Einordnung und Diagnostik). Kurz gesagt gibt es zwei Standard-Werke für die psychologische Einordnung von psychischen Störungen. Dies sind der DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) und das ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der WHO). Nach dem ICD ist Sadomasochismus noch eine Störung der sexuellen Präferenz und somit sollte ich wohl zum Doktor gehen und mich behandeln lassen. Das DSM wurde 1994 dahingehende geändert, dass die Störung nur noch dann festgestellt werden darf, wenn der Betroffene (in diesem Fall der SM’ler) nicht mehr anders zu einer sexuellen Befriedigung kommt. Also bin ich mal wieder ein wenig beruhigter, denn ich kann noch Vanilla-Sex haben und auch sehr geniesen, wie man mir bewiesen hat. Wer sich über dieses Thema weitergehender informieren möchte, dem sei diese Seite nahegelegt. Hier haben sich verschiedene Interessengruppen zusammen gefunden, welche eine Revision des ICD anstrebt. Im übrigen sind auch Fetischismus und Fetischistischer Transvestitismus davon betroffen. Wir sind also nicht alleine.

So, wie schaut es nun also aus, wenn man zusammen Sex mit SM-Anteil haben möchte und die beteiligten Personen ordnen BDSM auf unterschiedlichen Stufen der Pyramide ein? Nun, erst einmal passiert gar nichts, solange der Abstand nicht groß genug ist. Man kann immer noch phantastischen Sex haben, doch gegebenenfalls fehlt bei einer längerfristigen sexuellen Beziehung zwischen den Beteiligten die gemeinsame Einordnung auf einer Ebene. Wenn ich eine Affäre mit einer Frau habe, welche BDSM gar nicht auf der Pyramide einordnet, kann ich weniger mit ihr anfangen, bzw. sie fällt aus meinem „Beuteschema“ komplett raus, da sie keines meiner Bedürfnisse erfüllt. Wenn man also die Frage nach Sex oder nicht Sex bei mir stellt, dann sollte die Frage eher heißen SM oder nicht SM, da ich BDSM auf einer unteren Stufe einordne. Wenn es eine einmalige Begegnung ist, okay, warum auch nicht, aber längerfristig? Nein, das wird nicht gut gehen. Wie schaut es aus, wenn die Abweichung nur eine Stufe oder so beträgt? Nun, dann ist es wohl ein weniger einfacher, denn grundsätzlich wird auch mein Bedürfnis nach der Spielart BDSM immer mal wieder gestillt. Dennoch, je größer die Abweichung innerhalb der Pyramide ist, desto größer wird das Konfliktpotential durch die einfache Tatsache, dass die unteren Stufen der Pyramide nicht erfüllt werden.

Um nun zu einem Ende zu kommen, beantworte ich dann mal die beiden Fragen von ganz oben. Ob ich persönlich auf BDSM verzichten würde und was ist ein „wahrer“ SM’ler?

Einen „wahren“ SM’ler gibt es nicht, da die Einordnung auf den unterschiedlichen Stufen, dann auch zu unterschiedlichen Bedürfnissen, von den verschiedenen Spielarten abgesehen, im Sinne des Erfüllungsgrades gibt. Ein SM’ler ist einfach jemand, der BDSM mit in seinen Sex integriert.

Würde ich auf BDSM verzichten? Wenn ich mir heute die Frage stelle und mir die Situation in den Kopf rufe in der ich am Anfang des Artikels noch bereit gewesen wäre, so muss ich jetzt sagen: Stop. Ich habe BDSM als Teil meiner eigenen Sexualität akzeptiert und auf einer sehr niedrigen Stufe der Pyramide eingeordnet. Wie kann ich dann also auf etwas verzichten auf das ich als Grundbedürfnis akzeptiert habe?

Ich hoffe einfach mal, dass ich euch ein wenig zum nachdenken gebracht habe. Ebenso bin ich auf Eure Antworten gespannt. Ich für mich weiß nun, wo ich BDSM für mich einordne und das ist etwas auf das ich nicht langfristig verzichten kann. Anders ausgedrückt lautet das auch:

Once you go kinky… you can never go back.